Stadt und Land verbinden, das kann man in England mit einem Städtetrip nach London und einer Weitwanderung auf der Insel. Preisgünstig ist so ein Urlaub auch, wenn man auf dem Fußmarsch in Bed & Breakfast-Herbergen einkehrt. Über London ist ja schon jede Menge berichtet worden, deshalb sollen hier einmal einige attraktive Wanderrouten vorgestellt werden.

England: North York Moors© istockphoto.com/neilkendal

Einer der bekanntesten und anspruchsvollsten Fernwanderwege ist der Coast to Coast Walk, der im Norden der Insel in fast gerader Linie von Küste zu Küste führt. 309 Kilometer gilt es von St. Bees Cumbria an der Westküste bis nach Robin Hood’s Bay Yorkshire an der Ostküste zu bewältigen. Dabei werden die drei Nationalparks Lake District, Yorkshire Dales und North York Moors durchquert und rund 13.000 Höhenmeter gesammelt. Bekannt gemacht hat den Trail Alfred Wainwright, der 1974 eine detaillierte Streckenbeschreibung als Buch veröffentlichte. Zwei bis zweieinhalb Wochen sind für den Marsch einzuplanen, je nachdem, ob man sich eher zu den Schnell- oder Genussgehern zählt. Die Ausrüstung sollte auf jeden Fall gute wetterfeste Kleidung umfassen, da es in Nordengland auch im Sommer äußerst ungemütlich werden kann. Wasserfeste Wanderschuhe machen sich außerdem auf den Feuchtweiden und von Schafen und Kühen zertretenen Wegen bezahlt. Das Vieh sorgt auch für eine Hauch von Abenteuer, da die Weiden oft durch Gatter, Mauern und Schleusen abgetrennt sind, die es durch Klettern und mit Leitern zu überwinden gilt.

England: Küste© istockphoto.com/Danielrao

Die für den Walk verfügbaren Karten sind wie alle Wanderkarten in England sehr detailgenau, weil auf der Insel ein striktes Wegerecht gilt. Wer unberechtigt Privatbesitz betritt, kann mächtig Ärger mit dem Besitzer kriegen, so dass man sich tunlichst auf den beschriebenen öffentlichen Wegen bewegen sollte. Davon gibt es zwei Kategorien: Die Footpathes sind für Fußgänger vorgesehen, die Bridleways zusätzlich für unmotorisierte Verkehrsmittel wie Pferde und Fahrräder. Die Genauigkeit der Karten, in denen praktisch jeder Mauervorsprung eingezeichnet ist, erleichtert die Orientierung erheblich, so dass man sich gut auf der Tour zurechtfindet. Denn offiziell ist der Walk kein Wanderweg und wird deshalb auch nicht durch Schilder ausgewiesen. Neben Wainwrights Streckenführung gibt es mehrere Varianten – für welche man sich letztlich entscheidet, ist Geschmackssache.

Der Coast to Coast Walk fasziniert vor allem durch den Abwechslungsreichtum der Landschaft, die ihn aber auch nicht ganz einfach zu begehen macht. Zwei Küsten mit spektakulären Kliffs, sattgrüne Wiesen und Hügel, hochalpin anmutende Berggrate, Mittelgebirgslandschaften und fruchtbare Tiefebenen eröffnen sich dem Wanderer auf den üblicherweise 12 Etappen.

England: Scarborough Castle© istockphoto.com/mrmessy2

In der Kürze und Einfachheit liegt dagegen beim Cleveland Way die Würze. Dieser 176 Kilometer lange National Trail verläuft im North York Moors Nationalpark von der Küste über Hügel und Hochmoorebenen. Da es sich um einen offiziellen Wanderweg handelt, ist er mit einer stilisierten Eichel bestens markiert und ausgeschildert. Das Schöne am Cleveland Way ist die große Heidemoorlandschaft, die im August und September komplett in violetter Blütenpracht steht. Als Kontrast durchwandert man Hochmoore, Wälder und Strände entlang von Steilküsten. Kulturhistorisch interessierte Wanderer finden unterwegs zahlreiche Zeugnisse vergangener Jahrhunderte wie steinzeitliche Grabstätten, Reste römischer Anlagen und zahlreiche Burgen wie Scarborough Castle. Für Wanderer, die nicht so viel Zeit haben, ist der Cleveland Way ideal, um den herrlichen Norden Englands in etwa neun Tagen zu erkunden.

Richtig viel Zeit kann man dagegen auf dem South West Coast Path verbringen, der mit 1.014 Kilometern der längste National Trail im Königreich ist. Er führt durch das südwestliche England von Minehead in Somerset entlang der Küste nach Poole Harbour in Dorset. Da viele Flussmündungen zu überwinden sind, bringt es dieser Fernwanderweg auf über 35.000 Höhenmeter. Glücklicherweise lassen sich natürlich auch nur Teilabschnitte begehen. Die Küste von Dorset und East Devon empfiehlt sich hier, die ebenso wie die Bergbaulandschaft von Cornwall und West Devon zum UNESCO-Welterbe gehört. Beeindruckend auf dieser Wanderung sind vor allem die tiefen Küsteneinschnitte mit ihren schroffen Felsen. Hier sind etliche Stufen zu begehen, dafür bieten sich immer wieder herrliche Ausblicke aufs Meer und die Küste.