Heute haben wir einen interessanten Erfahrungsbericht über einen Work and Travel Aufenthalt in England bekommen, den wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen! 😉
Nachdem ich mein VWL-Studium letztes Jahr beendet hatte und nicht so wirklich wusste, was ich jetzt damit anfangen soll, kam mir die Idee, erst einmal das Land zu verlassen. Ich hatte schon nach meiner Schulzeit überlegt, einige Zeit im Ausland zu verbringen. Da meine damalige Freundin nicht so begeistert von der Idee war, verzichtete ich. Jetzt, einige Jahre später, war mein Wunsch längere Zeit in einem englischsprachigen Land zu verbringen nicht verflogen. Da meine finanziellen Möglichkeiten für vier Monate ohne Arbeit sehr gering waren und ich auch gerne Land und Leute kennenlernen wollte, war ein Work & Travel Urlaub die logischste Wahl für mich. Ein billiger Flug und das Nichtvorhandensein einer Visums-Pflicht waren am Ende die ausschlaggebenden Gründe für meine Tour quer durch England. Nach drei Monaten Planung für die Unterkünfte, Jobs und Reiseroute, verschlug es mich zunächst in den Norden des Landes, der auf mich schon immer eine große Faszination ausgeübt hat. Gerade die zerklüfteten Landschaften und der urige Baustil zogen mich an wie der Honig die Bären.

Bournemouth Pier

Leeds

Ich lebte als Untermieter bei einer netten Familie in Leeds/West Yorkshire und arbeitete für drei Wochen in einem kleinen Supermarkt, der dem 65-Jährigen Craig gehört. Dieser Mann sah ähnlich kantig aus, wie die Landschaft der Region und war auch sonst ein echtes Original. Durch ihn fühlte ich mich schon bald wirklich heimisch und er stellte mich in den Pubs bereitwillig den eher zurückhaltenden Einheimischen vor. Natürlich konnte ich mir eine Wandertour durch die Pennines im Geopark, den ich bequem per Bus erreichten konnte, nicht entgehen lassen. Das wunderschöne Kalksteingebirge ist das Höchste von Großbritannien. Egal in welche Richtung ich mich drehte, jeder Blick hatte Postkarten-Niveau. Nach einem Besuch der Leeds Town Hall, einem Spiel von Leeds United und von ein paar Nachbarstädtchen wie Bradford und Wakefield, fiel mehr der Abschied redlich schwer, aber vier Wochen Manchester waren schon gebucht.

Golfstrom

Manchester

Mit schwerem Gepäck brachte mich ein Zug bis fast vor die Haustür eines Appartment-Gebäudes im Herzen der Stadt, wo ich mir ein kleines Zimmer gegönnt hatte, was immerhin eine kleine Küche und eine Dusche mit Bad beinhaltete. Der Hygiene-Standard war zwar nicht allzu hoch, aber es war günstig. Das Zimmer reichte, um zwischen meinem Job als Kellner in einem Spezialitäten-Restaurant und meinen zahlreichen Ausflügen als Anlaufpunkt zu dienen. Zwischen roten Backsteinhäusern, die der einzige Baustoff in der Stadt zu sein scheinen, und den zahlreichen alten Fabrikgebäuden konnte ich zahlreiche schöne Bauwerke wie die einheimische Kathedrale und das Rathaus, sowie natürlich den Old Trafford, die Heimat von Manchester United, besuchen. Ein merkwürdiges Highlight bildete für mich aber eine weibliche Take That-Coverband, die ich eher zufällig bei einem Barbesuch entdeckte.

alte Fabrik, London

Liverpool

Nach Manchester folgte Liverpool, die Heimat der Beatles und meines Lieblingslings-Clubs FC Liverpool. Hier mietete ich mich in ein erfrischend gut gepflegtes Hostel ein und fand einen Job als Barkeeper einer Cocktailbar. Da ich  als Student schon aud diese Weise verdiegt hatte, fand ich die Aufgabe gut  und dank des netten Kollegen-Kreises fühlte ich mich nach einer Woche so, als ob ich schon Jahre in Liverpool leben würde. Neben vielen Informationen über die Beatles und dem gigantischen Hafen gefielen mir vor allem die künstlerisch angehauchten Bars, in die ich mit den Kollegen ging. Die Gänsehaut meines Lebens hatte ich dann an der Anfield Road, als über 40.000 Menschen die Liverpool-Hymne „You’ll Never Walk Alone“ anstimmten. Das triste 0:0 danach hätte ich mir dagegen besser erspart. Dennoch entschied ich mich, meinen Aufenthalt um eine Woche zu verlängern, da ich in meiner letzten Station London sowieso noch keine feste Unterkunft gewählt hatte. So erlebte ich noch eine fünfte Woche als Barkeeper in Liverpool und hatte genügend Zeit, um mir währenddessen  ein Zimmer als Untermieter für die kommenden fünf Wochen London zu suchen. Nach einem emotionalen Abschied und dem Austausch mehrerer Telefonnummern und E-Mail Adressen war es dann Zeit für meine Reise in die Metropole.

Big Ben in London

London

Für jeden, der noch nie da war: London ist groß, gigantisch, laut und äußerst beeindruckend. Schon am ersten Tag merkte ich anhand des Verkehrs, dass ich gut daran getan hatte, den Job als Kurier-Bote nicht zu nehmen und auch hier wieder zu kellnern, da ich ansonsten wohl nervlich, nicht nur wegen des Links-Verkehrs, Probleme bekommen hätte. Da ich bei einer äußerst netten, indisch- stämmigen Familie untergekommen war, entschied ich mich, das Angebot zum regelmäßigen gemeinsamen Essen anzunehmen. So entwickelte ich mich zu einem wahren Curry-Fan. Ansonsten suchte ich hier keinen gesellschaftlichen Anschluss, da ich vollkommen damit ausgelastet war, in meiner Freizeit das volle Touristenprogramm von Big Ben über den Buckingham Palace bis zum London Eye abzuspulen. Allerdings sorgten die Abende im Hyde Park, wo regelmäßig Live-Musik und andere Highlights geboten wurden, für die richtige Entspannung. So dauerte es gefühlt nur Augenblicke, bis mein schöner Work & Travel Urlaub dann tatsächlich vorbei war.

alter Dampfer

Inzwischen sind einige Monate vergangen und ich kann jedem nur empfehlen, den Schritt zu wagen und Zeit im Ausland zu verbringen. Auch wenn die Reiseerfahrungen nicht ausschließlich positiv waren, hat mich diese Zeit sehr geprägt und ich werde noch lange daran denken.