Die britische Kultur lässt sich sehr schnell mit wenigen Worten beschreiben: English Breakfast, Sunday Roast, Regentage , Gummistiefel, Trinkfestigkeit und Fudge. Wofür die Briten aber auch über die Grenzen ihrer Insel bekannt sind, ist ihr schwarzer Humor. Den kennt man aus dem Fernsehen, aus Filmen wie Monty Pythons „Das Leben des Brian“ oder Serien wie Little Britain oder Mr. Bean. Lebt man allerdings einige Zeit in England – sei es während eines Urlaubs oder im Rahmen einer England-Rundreise – und verkehrt persönlich mit der britischen Bevölkerung, bemerkt man schnell, dass sich der Humor nicht nur auf die TV-Shows beschränkt, sondern auch im Alltag allgegenwärtig ist.

England: Mr. BeanCopyright: P D

Wir haben uns gefragt, woran liegt es, dass der Humor der Briten so speziell ist und was man beachten muss, um einen echten britischen Witz zu erzählen. Im Folgenden wird daher einmal beleuchtet, welchen Stilmitteln sich der britische Humor bedient. Neben Ironie, Sarkasmus oder Zynismus, werden englische Scherze oft als trocken beschrieben. Man präsentiert eine Aussage, die witzig oder komisch ist, völlig emotionslos und verzieht dabei keine Miene – was wiederum den Witz noch unterhaltsamer erscheinen lässt. Ein weiterer Grund, weswegen britischer Humor so gut ist, ist die direkte Art, mit der ein Witz übermittelt wird. Ein Beispiel:

„Wie nennt man einen Bumerang der nicht zurück kommt? – Stock“

Britischer Humor ist aber eben nicht nur trocken, sondern auch schwarz. Dies bedeutet, dass die Witze sich bestimmter Tabuthemen annehmen, wie zum Beispiel Krankheiten, Katastrophen, Unfällen uvm. und dabei fast ins Groteske gehen. Das Stilmittel Groteske betont das Hässliche, das Imperfekte und Unvollkommene und zieht es ins Lächerliche. Bekannte Figuren des Grotesken sind der Charakter des Gollum im Film „Herr der Ringe“ oder “Der Glöckner von Notre Dame“.  Ein Beispiel:

„Was steht auf dem Grabstein der Putzfrau geschrieben? – Sie kehrt nie wieder. “

Die Sketche der britischen TV-Show „Monty Python“ sind oft sehr düster. Als oft genanntes Beispiel gilt die Dinner-Szene aus „The Meaning of Life“, in der der Tod, personifiziert als Sensenmann, verkündet, alle Gäste seien an einer Fischvergiftung gestorben. Ein Gast sagt daraufhin: “Well, that’s cast rather a gloom over the evening, hasn’t it“?

Ein Understatement, zu Deutsch eine Untertreibung, ist, wenn man eine Tatsache sehr emotionslos und untertrieben zum Ausdruck bringt. Ein Beispiel:

Willy Wonka, der leicht apathische Schokoladenfabrikant aus dem Film „Charlie und die Schokoladenfabrik“ sagt, während er die Kinder durch seine Fabrik führt: „Everything in this room is eatable. Even I’m eatable. But that is called cannibalism, my dear children, and is in fact frowned upon in most societies.”

Cringe Comedy, die heute nicht mehr so angesagt ist wie früher, trifft auf Sendungen wie Mr. Bean zu. In einem Sketch oder einer Geschichte passiert einer Person ein sehr peinliches Missgeschick. In dem Versuch, dieses Missgeschick zu beheben, wird jedoch alles nur noch schlimmer, worin für den Zuschauer der Witz besteht. Cringe bedeutet auf Deutsch „zusammenschrecken“ oder „peinlich berührt sein“. Die perfekte deutsche Übersetzung ist der Ausdruck „Fremdschämen“.

England: LondonCopyright: az1172

Ein weiteres literarisches Mittel des britischen Humors ist Nonsens. Nonsens bedeutet übersetzt „Unsinn“ und bezieht sich u.a. auf Gedichte wie den Limerick, der auf Deutsch auch als Schüttelreim bekannt ist. Aber auch Stilmittel wie Gobbledygook, was Fachchinesisch bedeutet und Wortneubildungen wie Kofferwörter, Lautmalereien und Assoziationen werden als Nonsens bezeichnet.

Ein Beispiel eines britischen Limerick ist:

“When Tim and I to Brisbane went,
we met three ladies cheap to rent.
They were three
but we were two,
so I booked one and Tim booked two.”

Jetzt, wo geklärt ist, wie der Humor der Briten so schwarz und trocken wird, bleibt nur noch zu klären, warum diese spezielle humoristische Neigung nur dort zu finden ist. Forscher haben dieses Phänomen schon einmal untersucht und spannendes herausgefunden: Während positiver Humor allgemein vererbbar ist, ist negativer Humor (also auch der Britische) erlernbar, d.h. hat das Umfeld, in dem man aufwächst, eine negative Ansicht, ist sehr sarkastisch und ironisch, guckt man sich das einfach ab.